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Holzstich der Belagerung

 Die Belagerung von "Nuis"

 Kolorierter Holzstich von 1477


 

Die Belagerung von Neuss und die Kölner Entsatztruppen

Im Jahr 1474 begannen die ersten Kampfhandlungen in der Gegend von Neuss, die schließlich zu der Belagerung der Stadt durch den burgundischen Herzog Karl den Kühnen führen sollten. Der Plan des Herzogs für seinen Kriegszug in das Rheinland sah vor, zunächst die Stadt Neuss einzunehmen, bevor er tiefer in das Rheinland eindringt um weitere Städte zu besetzen.

Im August des Jahres 1474 war die Stadt Neuss vollkommen von den Burgundern und ihren Verbündeten eingeschlossen. Es folgten Kanonenbeschüsse und und Sturmangriffe, die von den Belagerten mit Ausfällen beantwortet wurden. Dennoch änderte sich nicht viel an der Situation. Deshalb schickten die Neusser am 10. November im Schutz der Dunkelheit Boten aus um ihre Verbündeten um Hilfe zu bitten.

Der Rat der Stadt Köln entsandte hierauf am 18. November 1474 Kriegsknechte aus, die versuchen sollten Salpeter, den wichtigsten Bestandteil des Schwarzpulvers in die Stadt zu bringen. Doch auch andere Vorräte wurden knapp und eine Kapitulation der Neusser war unausweichlich, wenn sie nicht bald Hilfe von Außen erhielten.

Diese Hilfe war auf dem Weg: In den ersten Tagen des Jahres 1475 erklärten sowohl die Schweizer, als auch Kaiser Friedrich III. Karl dem Kühnen den Krieg. Doch große Teile des kaiserlichen Reichsheeres waren noch zu weit von Neuss entfernt um Hilfe leisten zu können, daher befahl der Kaiser der Stadt Köln am 4. Februar 1475 Neuss zu entlasten.

Das Kölner Aufgebot, das am 17. Februar nach Neuss aufbrach bestand angeblich aus 1.365 Bürgern und 635 Söldnern, diese Zahlen können aber auch zu hoch gewesen sein. Der Anteil der Bürger wurde nach der Kölner Wehrverfassung von den Gaffeln und Ämtern gestellt. Die Gaffel Himmelreich war wahrscheinlich mit 71 Mann verteten.

Die Kölner schlugen ihr Lager auf der östlichen Seite des Rheins, gegenüber von Neuss und dem Belagerungsheer auf, wie es der Kaiser angeordnet hatte. Von dort begann die Truppe mit der Beschießung und dem Entern von Karls Rheinflotte. Mit ihren Kanonen konnten die Kölner auch eines der Neusser Stadttore beschützen, sowie Teile von Karls Lager unter Beschuß nehmen. Die Kölnischen Truppen wurden in den nächsten Wochen durch Kölner Verstärkung und Teile des Reichsheeres auf 4.000 Mann aufgestockt. Im Laufe der Belagerung verringerte sich diese Zahl aber wieder, da viele Kölner wegen der schlechten Kampfmoral und unzureichenden Versorgungslage desertierten.

In und um Köln wuchs das Reichsheer zwischen Ende März und Anfang Mai 1475 auf über 20.000 Mann an. Am 11. Mai hatte das Heer sich bereits in Bewegung gesetzt und war bis nach Zons vorgedrungen, wo es weitere Verstärkung abwartete. Danach zog es bis in die unmittelbare Nähe des Gegners, wo es an der Erft begann sich zu verschanzen. Hierbei kam es wiederholt zu kleineren Kämpfen zwischen den verfeindeten Vorposten und zur einzigen großen Auseinandersetzung zwischen dem Reichsheer und den Truppen Karls in der Umgebung von Neuss.

Am 28. Mai schließlich wurde für zwei Tage ein Waffenstillstand ausgehandelt. Und tatsächlich fanden in diesen Tagen auch keine Feindseligkeiten zwischen den Parteien statt. Stattdessen wurde das Burgundische Lager von den Reichstruppen besucht und bestaunt.

Ursprünglich wurde ausgehandelt, daß Karl seine Truppen am 31. Mai abziehen sollte, er ließ diese Frist jedoch verstreichen. Am 2. Juni wurden die Truppen wieder in ihre Lager zurückberufen und in Alarmbereitschaft versetzt.

Am 5. Juni 1475 wurde jedoch ein endgültiger Friedensschluß ausgehandelt und vier Tage später brachen die Burgunder ihr Lager ab. Aber der Rückzug verlief nicht ohne Zwischenfälle. Auf beiden Seiten herrschte Mißtrauen und es kam immer wieder zu kleineren Gefechten bei denen die Kölner ein Schiff mit einer Fracht im Wert von 100.000 Gulden erbeuteten.

Der endgültige Aufbruch Karls des Kühnen erfolgte am 27. Juni, der des Reichsheeres am 28. Juni 1475. Die Belagerung von Neuss hatte ihr Ende gefunden.

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© September 1999, Gaffel Himmelreich

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